Freitag, 23. Juli 2010
JPLS - live (Minus / Indiana / Berlin)
Chris Hirose (Lust Recordings / Tanzbar Musik / Stuttgart)
Romy S., Stuttgart, Beginn: 23:00 Uhr
Diese Nacht wird richtig schmal. Schmal in dem Sinn, dass wir wieder die Meister der Reduk-tion die heiligen Romy-Hallen betreten. Wann immer Hawtin´s Boten die Minus-Lehren im Romy verbreiteten, kommt die Romy besonders oft und heftig. JPLS ist der neueste Star des Labels und wohl einer der minimalsten Acts überhaupt auf Minus.
Jeremy Jacobs ist der Kopf hinter dem Projekt. In seinen Tracks baut der Amerikaner einen minimalistischen und zugleich dunklen Klangkosmos auf. Das reduzierte und dennoch sehr detailreiche Klangdesign von JPLS stößt bei Richie Hawtin auf offene Ohren. Er nimmt Jacobs für sein Label Minus unter Vertrag.
Im Oktober 2006 erscheint dort mit "Program" die erste Maxi des in Indiana beheimateten Produzenten. Seine experimentellen Klangstudien werden von der Minimal-Gemeinde mit offenem Mund aufgenommen. Rund ein halbes Jahr später weitet JPLS sein Kompositions-konzept mit "Twilite" auf Albumlänge aus, das ebenfalls auf Minus erscheint.
Viele der JPLS-Tracks erinnern denn auch an frühe Platten Hawtins. Der ausgeprägte Minima-lismus von Jacobs knüpft an Veröffentlichungen von Plastikman an. Ausgefeilte Klangarbeit steht im Vordergrund, funkiger Drive für den Club ist ein zweitrangiges Produkt der Studio-sessions.
Dieser Aspekt seiner Arbeit hat sich zwischenzeitlich etwas verschoben, was er nicht nur bei seinen energiegeladenen Live-Acts beweist, sondern auch auf neuerem Output wie der boun-cigen „Fuckshuffle EP.
myspace.com/jpls25
Samstag, 24. Juli 2010, 23.00 Uhr
Format:B (Highgrade / Berlin)
Tom Humljan (Googoo / Stuttgart)
Whoom, there it is! Your house is my house, and my house is yours! Wenn wir für jemanden wirklich gerne das Haus aufmachen dann für Format:B. Die sind neben Moonbootica, Koletzki, Pan-Pot, Kalkbrenner oder Barem die größten Abräumer in der elektronischen Romy-Geschichte. Ihr Sound ist eben Party pur und absolut herausstechend in diesem oft so langweilig dahinplätschernden Metier. Format:A müssten sie eigentlich heißen. B-formatig sind hier nur die Neider, die nicht so rocken können.
Aber egal ob eigene Produktionen, wie z.B. zuletzt die Debütveröffentlichung auf ihrem eigenen Label Formatik oder einen Remix für den Electro-Heimer Sebastian Leger oder natürlich so Gassenhauer wie ihre Version von Butchs „Amelie“, Format:B machen den quirligsten Tech-House-Sound der Stunde. Aber auch bei dem Duo bewahrheitet sich, dass ganz klar derjenige im Vorteil ist, der ein Instrument beherrscht. Franziskus Sell (Klavier) und Jakob Hildenbrand (Bass) dürfen sich für ihren Erfolg also ein bisschen bei ihren Eltern bedanken.
Die Wege von Franz (ursprünglich aus Erfurt) und Jakob (gebürtiger Berliner) kreuzten sich während ihres Tontechnikstudiums. Die beiden konnten sich gezwungenermaßen gar nicht übersehen, da der Rest der Kommilitonen durchweg langhaarige Hardrocker waren. So beschloss man nach ein paar längeren Berliner Nächten, u.a. im kultigen E-Werk, was zusammen zu starten. Das Projekt Format:B war geboren.
Bald kamen sie beim Berliner Highgrade unter, wo sie mit ihrem funktionalen, entschlackten, aber auch bleebigen Hans-Dampf-Sound bestens aufgehoben sind. Dabei orientieren sich Format:B zwar kompromisslos am Dancefloor, aber verlieren nie Musikalität, Funkyness und Sound-gewordenen Spieltrieb aus den Augen. Ihr erstes Album „Steam Circuit“ mit Hits wie „Edding 850“, „Si Pero No“ oder „Like A Techmachine“ bündelte ihre ganz Kreativität zu einem arschkickenden Monster aus Acid, darken Tech-House, fiesen Subbassend bösen Vocals. Und die Beatport-Server ächzten unter der Download-Last.
In dieser Nacht ächzt die Romy wieder mal unter den Format:Bschen Druckwellen. Aber auch diesen wird sie standhalten – immerhin ist es die Romy, nämlich eine für Alle.
highgrade-records.de